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Reinigung elektrischer Anlagen unter Spannung

Welche Ablagerungen zu erwarten sind, was vorausgesetzt wird – und wann das Verfahren ausscheidet.

Reinigung einer Schaltanlage im elektrischen Betriebsraum

Wenn eine Abschaltung die Produktion stoppt oder ein Versorgungsgebiet betrifft, ist die Reinigung im Betrieb häufig der einzige gangbare Weg. Nassreinigung unter Spannung ist bis 1.000 V möglich, sofern Anlage und Bedingungen das Verfahren zulassen.

Entscheidend sind die Voraussetzungen. Die Anlage muss sich in einem Zustand befinden, der das Verfahren überhaupt erlaubt. Sichtbare Schäden, lose Verbindungen, Korrosion oder eingedrungene Feuchtigkeit schließen es aus – dann wird freigeschaltet. Hinzu kommen die Gefährdungsbeurteilung, das festgelegte Arbeitsverfahren, geeignete Schutzausrüstung und die Abstimmung mit dem Anlagenverantwortlichen.

Die Art der Ablagerung entscheidet mit

Ob ein Belag überhaupt unter Spannung entfernt werden kann, hängt wesentlich davon ab, woraus er besteht. Trockener, nicht leitfähiger Staub – wie er in Büro- und IT-Umgebungen oder in trockenen Betriebsräumen anfällt – verhält sich elektrisch anders als der Staub, der in einem Stahlwerk, einer Gießerei oder einem Walzwerk in die Schaltanlage gelangt.

Dort besteht die Ablagerung häufig aus metallischem Abrieb und Eisenoxidpartikeln, aus Graphit- und Kohlenstaub oder aus Ruß. Diese Partikel sind elektrisch leitfähig. Auch der Abrieb von Kohlebürsten an Gleichstrommotoren und Schleifringläufern und der Metallabrieb an Stromschienen und Schleifleitungen von Krananlagen gehören dazu. Legt sich solcher Staub auf Isolierstoffoberflächen, verringert er die wirksame Kriechstrecke zwischen spannungsführenden Teilen.

Hinzu kommen hygroskopische Beläge: Chloride aus Streusalz oder salzhaltiger Luft, Rückstände aus der Dünger- und Chemieverarbeitung, Ölnebel, der Staub bindet. Diese Ablagerungen sind im trockenen Zustand zunächst unauffällig, ziehen aber Luftfeuchtigkeit an und bilden dann einen leitfähigen Film. Aus diesem Grund kann auch ein an sich nicht leitfähiger Staub bei steigender Luftfeuchte elektrisch wirksam werden.

Die Folge ist in beiden Fällen dieselbe: Über die verschmutzte Oberfläche fließt ein Kriechstrom. Er erwärmt die Schicht örtlich, trocknet sie stellenweise aus und führt zu kleinen Überschlägen, die den Isolierstoff nach und nach verkohlen. Es entstehen leitfähige Pfade, die sich weiter ausbreiten – bis zum Überschlag zwischen den Phasen oder gegen Erde. Parallel dazu behindert die Schicht die Wärmeabfuhr, sodass Bauteile bei gleicher Last heißer werden.

Warum leitfähige Beläge das Verfahren einschränken

Gerade bei leitfähigen oder feuchtebindenden Ablagerungen ist eine Reinigung unter Spannung besonders kritisch zu bewerten und scheidet häufig aus. Beim Lösen der Schicht bewegen sich leitfähige Partikel im Anlageninneren, können Abstände überbrücken oder in benachbarte Bereiche gelangen. Ein Schaltschrank, der von außen nur „staubig“ wirkt, kann innen eine geschlossene, leitfähige Deckschicht tragen. Diese Beurteilung erfolgt vor Ort an der konkreten Anlage, nicht am Telefon.

Wo unter Spannung gearbeitet werden kann, ist das Reinigungsmittel ein Teil der Voraussetzung: Es muss nicht brennbar sein, eine ausreichende elektrische Durchschlagfestigkeit besitzen und rückstandsfrei verdunsten. Wird trocken gearbeitet, wird abgesaugt statt ausgeblasen – sonst verteilt sich der gelöste Staub in Anlagenbereiche, die vorher sauber waren.

Vor dem Einsatz wird geklärt: Um welche Anlagenteile geht es, welche Spannungsebene liegt an, wie ist die Zugänglichkeit, welche Schutzmaßnahmen sind erforderlich, in welchem Zeitfenster wird gearbeitet und wer ist vor Ort verantwortlich.

Nicht jede Anlage eignet sich, und kein seriöser Dienstleister sollte pauschal zusagen, dass jede Anlage im laufenden Betrieb gereinigt werden kann. Wo es nicht geht, gehört das gesagt – auch wenn eine Abschaltung für den Betreiber unbequemer ist.

Unverbindlich klären, was möglich ist

Wenn Sie den beschriebenen Punkt an einer eigenen Anlage einordnen möchten, sprechen Sie uns an – wir schauen uns die Situation an und sagen Ihnen, was sich daraus ergibt.

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